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Sport als Vorbeugung gegen Krankheiten - Bewegungsmangel als Risikofaktor
"No sports!", sagte Winston Churchill auf die Frage, wieso er nie krank sei.
Ob Churchill dies heute auch noch so sagen würde? Wahrscheinlich nicht! Die wissenschaftlichen und ärztlichen Erkenntnisse belegen eindeutig einen Zusammenhang zwischen hoher Lebenserwartung, einem gesunden Stoffwechsel und dem Maß an sportlicher Aktivität.
Karlsruhe (dpa) Eltern joggen, Kinder hocken. Nur eine Stunde täglich bewegen sich Grundschüler in Deutschland. Der Karlsruher Sportwissenschaftler Klaus Bös warnt daher vor einer „gesellschaftlichen Zeitbombe“: „Kinder, die zu wenig Bewegung haben und sich nicht ausreichend spielerisch und sportlich betätigen, werden gesundheitliche Probleme bekommen. Deutschland wird krank.“
Untersuchungen bei zwölfjährigen Kindern zeigen, dass 40 Prozent von ihnen Kreislaufprobleme haben, jedes dritte Kind Haltungsfehler, jedes zweite Muskelschwächen und jedes fünfte Übergewicht. Kein Wunder, dass immer mehr Grundschüler über Kopf- und Rückenschmerzen klagen. Professor Aloys Berg von der Uniklinik Freiburg berichtet, dass Schüler mehr krankheitsfördernde Merkmale aufweisen als noch vor zehn Jahren: „Wir stellen vermehrt Entzündungsfaktoren fest.“
Bewegungsmangel, Fast Food und Soft Drinks haben zur Folge, dass sich seit 1980 die Zahl der Schüler mit mindestens 30 Prozent Übergewicht um die Hälfte erhöht hat. „Heute diagnostizieren wir Risikofaktoren, wie sie sich früher erst mit 55 zeigten, schon bei 40-Jährigen.“
Kinder werden immer ungelenker. Sie verlieren die Beherrschung ihres Körpers und die Fähigkeit, ihre Bewegungen zu koordinieren. „Vielen Kindern fehlen die natürlichen Lebensräume, um ihren Bewegungsdrang ausleben und auch ihre Aggressionen abbauen zu können“, konstatiert Bös. Motorische Kompetenz aber brauche jeder Mensch für seine Entwicklung und sein Wohlbefinden, auch wenn er gar keinen Sport treiben möchte. Denn bereits 33 Prozent der Berufsschüler und zwölf Prozent der Gymnasiasten klagten bei einer Befragung in Karlsruhe über ständige Rückenbeschwerden im Alltag.
Die Schule als einzige Institution, die alle Kinder erfasst, kann keine Hilfestellung leisten: Längst ist der Sportunterricht zum Sitzenbleiber der Nation geworden. Schulsport wird gekürzt – auch in Baden-Württemberg ist die dritte Stunde weggefallen – und oft nicht vertreten. Ärzte sind bei Attesten zur Befreiung vom Sportunterricht freigebiger als für Hauptfächer. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Sportlehrer inzwischen um die 50 Jahre alt ist.
Untersuchungen an Gymnasien haben ergeben, dass nur vier Prozent der Mädchen und 32 Prozent der Jungen im Schulsport schwitzen oder schnaufen. „Der Anreiz zu mehr Bewegung muss schon im Kindergarten gesetzt werden“, fordert Bös.
Folgen der körperlichen Inaktivität
Für die USA wurde 1990 geschätzt, dass rund jeder achte Todesfall auf körperliche Inaktivität zurückzuführen ist: Dabei geht es insbesondere um Herzinfarkt, Hirnschlag, aber auch Dickdarmkrebs und Diabetes (Zuckerkrankheit). Damit ist körperliche Inaktivität einer der wichtigen, vor allem veränderbaren Gründe für vorzeitige Todesfälle. Berechnungen zeigen zudem, dass schon relativ bescheidene Veränderungen der Bewegungsgewohnheiten (z. B. die Abnahme der inaktiven Personen in der Bevölkerung um 10 bis 15 Prozent) die Todesfälle bevölkerungsweit um 1,5 bis 2 Prozent reduzieren könnten.
Natürlich gibt es auch das umgekehrte Phänomen: Die bei körperlicher Betätigung und Sport auftretenden Unfälle, Verletzungen und Schäden (zum Beispiel des Bewegungsapparates) gehören mit hinein in eine ganzheitliche Betrachtung der Bedeutung des Sportes. Insgesamt überwiegen aber sicher die positiven Folgen der körperlichen Aktivität der Bevölkerung.
Beim körperlich nicht aktiven Menschen sind Wirbelsäule und Gelenke, Muskulatur und Herz besonders gefährdet. Die Bedeutung der Beweglichkeit von Wirbelsäule und Gelenken im täglichen Leben und vor allem bei zunehmendem Alter liegt darin, dass sie eine wesentliche Sicherung gegen Unfälle aller Art darstellt. Desgleichen schützt eine gut ausgebildete Muskulatur den Bewegungsapparat gegen Unfalleinwirkungen beispielsweise beim Ausgleiten oder Stürzen. Die Muskelkraft ist aber auch Voraussetzung für jegliche körperliche Arbeitsleistung, für Geschicklichkeit und Gewandtheit.
Die Bewegungsarmut ist zwar ein im wahrsten Sinne des Wortes bequemer, dafür um so gefährlicherer Risikofaktor, dessen Auswirkungen meist erst mit zunehmendem Alter unmittelbar spürbar werden. Es gibt nur ein wirksames Gegenmittel: Absage an eine allzu grosse Bequemlichkeit und Bereitschaft zu vermehrter körperlicher Aktivität.
Nutzen der körperlichen Aktivität
Bei einer entsprechenden körperlichen Aktivität kann vom einzelnen folgender Nutzen erwartet werden:
Verbesserung der Herz-Kreislauf-Kapazität:
Um sich der Anstrengung anzupassen, beginnt der Körper, mehr Muskeln zu bilden, vor allem bei der Herzmuskulatur. Das Herz pumpt mehr Blut aus und der Ruhepuls sinkt. Dadurch wird der Herzmuskel bei einer erhöhten körperlichen Belastung, wenn der Körper viel Sauerstoff und Energie braucht, leistungsfähiger.
Kontrolle des Körpergewichtes:
Ausser dem Energieverbrauch (300 bis 400 Kilokalorien für eine Stunde intensiver Gymnastik) hat der Sport vor allem auch einen grossen Einfluss auf den Grundumsatz (= Energieverbrauch im Ruhezustand). Regelmässiges körperliches Bewegen hilft, die Muskelmasse stabil zu halten oder sie zu vergrössern. Und da die Muskeln für den Grundumsatz von entscheidender Bedeutung sind, gilt: Je mehr Muskeln ein Mensch hat, um so höher ist sein Grundumsatz. Dadurch kann das optimale Gewicht leichter gehalten werden.
Senkung des Cholesterinspiegels:
Regelmässiger Sport senkt das schlechte Cholesterin (LDL-Cholesterin) und erhöht das gute Cholesterin (HDL-Cholesterin).
Reduktion des Risikos der Zuckerkrankheit (Diabetes):
Muskeln verbrauchen durch ihre Tätigkeit Energie, unter anderem in Form von Zucker. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und parallel auch der Bedarf an Insulin (Hormon, das den Blutzucker senkt). Menschen, die zu Diabetes neigen, sollten regelmässig eine leichte körperliche Aktivität ausüben.
Verhinderung von Knochenschwund:
Beim Sport werden die Knochen belastet. Dies zwingt sie, härter und dicker zu werden. Nach der Wachstumsphase bis ins junge Erwachsenenalter nimmt die Knochenmasse ab etwa 35 Jahren stetig ab. Der Wachstumsprozess sollte wenn möglich von Kindheit an durch etwas körperliche Bewegung gefördert werden, damit es in fortgeschrittenem Alter nicht zu Problemen durch Knochenschwund kommt (Osteoporose).
Was fitsein heisst
Das bedeutet aber noch keineswegs die Aufnahme eines harten sportlichen Übungsprogrammes: Es geht für den Durchschnittsmenschen nicht darum, seinen Körper für wettkampfmässige Höchstleistungen zu trainieren. Wichtig ist das Erreichen einer allgemeinen Fitness, mit der sich die vielfältigen Belastungen des beruflichen und privaten Alltags problemlos bewältigen lassen. Fitsein bedeutet nichts anderes als eine gute Gesamtverfassung des Organismus, genügende körperliche Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit.
Zu beachten ist allerdings, dass die persönlichen Fitness-Wunschziele innerhalb der erreichbaren Möglichkeiten des eigenen Körpers gesteckt und die Anstrengungen nicht auf eine einzige körperliche Aktivität konzentriert werden. Ein Fitnesstraining soll den gesamten Körper gleichmässig beanspruchen, darf dabei aber die Grenzen der Belastbarkeit niemals zum gesundheitlichen Nachteil überschreiten. Eine optimale Körperertüchtigung erfordert also immer mehrere Arten von Fitnessübungen, deren verschiedene Schwerpunkte auf der Verbesserung der Beweglichkeit, der Kraft und des Dauerleistungsvermögens liegen müssen.
Einige Regeln fürs Fitsein
Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie ein Leistungssportler oder eine Leistungssportlerin werden. Um Ihren Kreislauf fit zu halten, genügt es, wenn Sie sich regelmässig körperlich belasten. Durch den dabei benötigten Energiebedarf wird der Stoffwechsel Ihres Körpers aktiviert. Und das sind die wichtigsten Regeln:
- Üben Sie zwei- bis viermal pro Woche eine körperliche Betätigung aus, bei der Sie während einer Woche etwa 1000 bis 2000 Kalorien verbrennen. Die untenstehende Energieverbrauchstabelle zeigt Ihnen, wieviel Energie Sie durchschnittlich bei einer tüchtigen Betätigung in 30 Minuten verbrauchen.
- Wichtig ist, dass Ihr Kreislauf auf Touren kommt. Ein leichtes Schwitzen zeigt an, dass Sie die richtige Intensität erreicht haben. Beim Joggen wählen Sie am besten eine Geschwindigkeit, bei der Sie sich noch mit einer Begleitperson unterhalten können.
- Wichtig ist also eine mittlere Intensität der Körperbewegung. Diese wird definiert als eine 50- bis 60prozentige Ausschöpfung der individuellen Herz-Kreislauf-Maximalkapazität.
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