Aktueller Gesundheitstipp Juni 2004

Unentdeckter Diabetes ist in Deutschland fast genauso häufig wie diagnostizierter Diabetes

Ergebnisse einer Studie der Kooperativen Gesundheitsforschung in der Region Augsburg decken auf, dass in Deutschland der unentdeckte Diabetes mellitus mit 8,2 Prozent fast so häufig vorkommt, wie der diagnostizierte mit 8,4 Prozent. Dies ist umso bedeutsamer unter dem Aspekt, dass auch Personen mit einem noch nicht diagnostizierten Diabetes mellitus bereits Folgeschäden, wie z.B. Netzhaut- und Nierenschäden, aufweisen können.

Im Rahmen der Studie untersuchte das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit unter der wissenschaftlichen Leitung des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts DDFI in den Jahren 1999-2001 ca. 1300 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Personen zwischen 55 und 74 Jahren. Neben der Bestimmung von Gewicht, Größe und Blutwerten unter dem Aspekt des Vorliegens gesundheitlicher Risikofaktoren, wurde ein oraler Glukosetoleranz-Test durchgeführt. Die Wissenschaftler wollten anhand dieser repräsentativen Stichprobe die Häufigkeit des unerkannten Diabetes bzw. der unerkannten verminderten Glukosetoleranz innerhalb der deutschen Gesamtbevölkerung abschätzen.

Bei mehr als 8% der Studienteilnehmer wurde dabei nicht nur ein bislang unbekannter Diabetes mellitus neu diagnostiziert, sie wiesen darüber hinaus auch Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck in einer ähnlichen Häufigkeit auf wie jene Patienten mit bekanntem Diabetes mellitus. Das wiederum bedeutet ein ähnlich hohes Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Kein manifester Diabetes, aber eine bereits verminderte Glukosetoleranz fand sich sogar bei 16% der Studienteilnehmer. Vergleicht man diese Daten mit jenen ähnlicher Studien aus anderen europäischen Ländern, ergibt sich für Deutschland eine der höchsten Diabeteshäufigkeiten in Europa überhaupt.

Die Augsburger Studie bestätigt, dass die familiäre Disposition sowie das Vorhandensein der bekannten Risikofaktoren Bluthochdruck, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen die Entstehung von verminderter Glukosetoleranz und Diabetes begünstigen. Bezüglich der hohen Rate nicht diagnostizierter Erkrankungen weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass bereits durch eine einfache Messung des morgendlichen Nüchternblutzuckers etwa 60% der unerkannten Erkrankungsfälle diagnostiziert werden könnten.

Quelle:
diabetes-world